08.02.2021
DMCO | Bundestagswahl 2021: Mobilität & Logistik – Wo wir stehen & was wir wollen
 
 
 

Bundestagswahl 2021: Mobilität & Logistik – Wo wir stehen & was wir wollen

Wenn in Deutschland Güter oder Personen bewegt werden, muss dies auf Grundlage eines vernetzten und datenbasierten Systems sowie einer innovationsfreundlichen regulatorischen Ausgestaltung ermöglicht werden. Das Personenbeförderungsgesetz ist hier ein zentraler Baustein, um die digitale und vernetzte Mobilität voranzubringen. Es ist wichtig, das Gesetz umfassend zu reformieren, anstatt es nur punktuell zu überarbeiten. Auch das autonome Fahren bedarf schnell eines eigenen Rechtsrahmens. Bereits existierende Teststrecken sind ein guter Anfang, müssen allerdings zügig durch Pilotprojekte unter realen Bedingungen ergänzt werden. Deutschlands Anspruch muss es sein, hier als wichtiger Mobilitätsstandort nicht nur europaweit, sondern weltweit  eine Blaupause zu sein.

Gleiches gilt für den Güterverkehr: Die in Deutschland jährlich von Logistikunternehmen zurückgelegten Distanzen unterstreichen die Notwendigkeit der weiteren Automatisierung. Insbesondere an Schnittstellen und Übergabepunkten in den Lieferketten gibt es noch zu viele analoge Prozesse, die Zeit und Ressourcen kosten. Wichtig ist nun vor allem mit Blick auf die Umsetzung der eFTI-Richtlinie, dass Technologieneutralität und Interoperabilität wesentliche Parameter der Regulierung bleiben.

 

Handlungsempfehlungen für die neue Legislaturperiode

Autonomes Fahren flächendeckend  einführen

Automatisierte und vernetzte Fahrzeuge auf Schiene und Straße im Personen- und Güterverkehr entlasten Fahrer von Routineaufgaben, erhöhen die Verkehrssicherheit und können sowohl zur Steigerung der Verkehrseffizienz als auch zur Reduzierung der Umweltbelastung beitragen. Sie sind zudem wichtige Treiber technologischer Innovationen. Davon profitieren auch andere Industriezweige. Es braucht daher ein Gesetz zum autonomen Fahren, das technischen, rechtlichen und nutzerseitigen Anforderungen gerecht wird und die zügige Einführung fahrerloser Fahrzeuge und autonomer Shuttles ermöglicht. Künftig sollten On-Demand-Shuttleservices bzw. fahrerlose Systeme dabei insbesondere in dünner besiedelten und nachfragearmen Regionen angeboten werden können, um einen wirksamen Anreiz für die stärkere Nutzung klimafreundlicher Mobilität zu schaffen. Gleichzeitig helfen solche Angebote bei der Erschließung der ersten und letzten Meile. Um fahrerlose Shuttleservices schnellstmöglich zu implementieren, sollten fahrerlose Dienste im Personenbeförderungsrecht verankert werden.

 

Mit digitaler Verkehrsinfrastruktur für ein effizientes und nachhaltiges Gesamtsystem sorgen

Zur Steigerung der Effizienz und Nachhaltigkeit einzelner Mobilitätsleistungen sowie zur Erreichung eines intermodalen Systems ist die Bereitstellung von statischen und dynamischen Infrastrukturdaten in hoher Qualität unabdingbar. Es müssen daher dringend ausreichende Mittel bereitgestellt werden, um die Verkehrsinfrastruktur zu befähigen, statische sowie dynamische Infrastrukturdaten digital bereitzustellen. Auch Städte, Kommunen und Länder sollten dabei unterstützt werden, diese Daten digital zu erfassen und zu verarbeiten. Ziel sollte es sein, sogenannte digitale Zwillinge zu schaffen. Diese können den Verkehrsteilnehmern alle verkehrsrelevanten Daten zur Verfügung stellen. Gerade Logistik-Hubs sollten darüber hinaus beim Breitbandausbau priorisiert behandelt werden. Das ermöglicht automatisierte Abfertigungsprozesse und eine intelligente Lagerhaltung mit digitalem Tracking. Nicht zuletzt sollten Fördermittel zum Neu-, Aus- und Umbau der Verkehrsinfrastruktur an die Bedingungen der Digitalisierung sowie an europäischen Standardisierungsaktivitäten geknüpft werden.

 

Stärkung intermodaler Mobilität

Ein intermodales Mobilitätsökosystem sollte gezielt gefördert werden. So kann das Verkehrsangebot vielfältiger und die Mobilitätsversorgung flächendeckend besser gemacht werden. Zudem kann der Anreiz zum Umstieg auf umwelt- und klimafreundliche Alternativen so noch verstärkt werden. Es geht darum, eine neue „Datenkultur“ zu schaffen, die bestehende Modelle mit Daten verbessert bzw. neue Geschäftsmodelle auf Grundlage von gleichen Rechten, Pflichten und Standards fördert. Wichtig ist insbesondere, ein geeignetes Rahmenwerk zur Bereitstellung standardisierter Dienste zum Informieren, Buchen und Abrechnen zu etablieren, um einen fairen Wettbewerb zwischen öffentlichen wie privaten Mobilitätsanbietern sicherzustellen.